Dahlien
Dahlien - Von den Azteken nach Europa
Laura Fockenberg • 03. Oktober 2025
Es gibt sie in (fast) allen Farben, in vielen verschiedenen Formen und schon die Azteken kannten sie: die Dahlie. Sie ist die letzte Blume unseres Blumenjahres und gleichzeitig die Vielfältigste.
Name, Herkunft und Geschichte
Der deutsche Name „Dahlie“ ist direkt abgeleitet von ihrem botanischen Namen „Dahlia“. Dieser wiederum geht auf den schwedischen Botaniker Anders Dahl zurück, welchem zu Ehren die Dahlie benannt wurde. In Norddeutschland, Skandinavien und Osteuropa ist die Blume auch als „Georgine“ bekannt. Der Berliner Botaniker Professor Karl Ludwig Willdenow glaubte, dass der Name „Dahlia“ bereits zur Bezeichnung einer anderen Blume verwendet wurde. Deshalb entschied er sich für die Bezeichnung „Georgine“, zu Ehren des deutschen Botanikers und Reisenden Johann Gottlieb Georgi.
Ursprünglich stammt die Dahlie jedoch nicht aus Europa, sondern aus Mexiko. Schon bei den Azteken gehörte sie zum Bild ihrer Gärten. Sie trug dort den Namen „Cocoxochitl“, was „Wasserschlund“ oder „Wasserknollenblüte“ bedeutet. In einem Kräuterbuch der Hochkultur, dem „Codex Badianus“ (1552), wurde die Dahlie zum ersten Mal bildlich erwähnt. Für die Azteken galt sie als Symbol der Sonne. Ihre Knollen wurden als Nahrungsquelle und ihr Saft für medizinische Zwecke genutzt. Aufgrund der hohlen Stängel der Art „Dahlia imperialis“, der sogenannten Baumdahlie, setzten die Azteken diese ein, um den Transport von Wasser in Gärten zu ermöglichen.
Der Spanier Francisco Hernandez besuchte Mexiko im 16. Jahrhundert mehrfach und berichtete von der Blume. Großes Interesse zeigten die Europäer an diesen Beschreibungen jedoch (noch) nicht.
Im Jahr 1789 schickte der Direktor des Botanischen Gartens von Mexiko City, Vicente Cervantes, ein Paket mit den Samen zweier Dahlienarten an seinen Kollegen Antonio José Cavanilles in Madrid. Dort wuchsen ein Jahr später die ersten Dahlien auf europäischem Boden. Cavanilles war es auch, welcher der Blume den Namen „Dahlia“ gab.
Einige Jahre später brachte Naturforscher Alexander von Humboldt weitere Dahlienarten von seinen Reisen mit nach Paris und Berlin. Daraufhin wurde viel Arbeit in die Züchtung neuer, verschiedenfarbiger Dahliensorten investiert. Schon nach zwei Jahren zählte man im Botanischen Garten Berlin 55 Sorten Dahlien. Im 19. Jahrhundert wurden es in Deutschland bereits über 1.000 verschiedene Sorten. Da sie günstig zu erwerben waren, verbreiteten sie sich schnell in den Gärten.
Doch zuvor, im postrevolutionären Frankreich, hütete Kaiserin Josephine, Ehefrau von Napoleon, ihre Dahlien wie ein Geheimnis im Schloss Malmaison. Sogar ihre Gärtner standen unter einem Geheimhaltungs-Eid. Doch gab es Gerüchte über Schmuggel, geheime Tauschgeschäftige, Diebstahl, Verstecke und Tausch unter Adligen. All das feuerte die europäischen Aristokraten nur noch weiter an, Dahlien besitzen zu wollen. Sie wurden zu einem Zeichen von Reichtum, Exklusivität und sozialer Rivalität.
Arten und Aussehen
Schätzungen zufolge gibt es weltweit heute zwischen 20.000 und 30.000 Dahliensorten. Diese große Spanne zeigt deutlich, dass kein vollständiger Überblick mehr möglich ist. Demgegenüber stehen die nur 28 Wildarten.
Farblich findet sich bei Dahlien so gut wie jede Farbe außer Blau. Dabei blühen Dahlien nicht nur einfarbig, sondern auch zweifarbig, zum Teil mit Farbverläufen. Die Stauden wachsen zwischen 30 Zentimetern und drei Metern hoch.
Klassifiziert werden sie über ihre Blütenformen, um ein wenig Ordnung in der Diversität zu erhalten:
Einfache Dahlien
einzelner Ring von meist flachen Blütenblättern, die sich überlappen können; runde, flache, sichtbare Scheibe in der Mitte
Anemonendahlien
ein oder mehrere Ringe von meist flachen Blütenblättern, die sich überlappen können; dichte runde Gruppe röhrenförmiger Scheibenblüten in der Mitte
Halskrausendahlien
einzelner Ring von meist flachen Blütenblättern, die sich überlappen können; kleinere, oft mehrere weitere Blütenblätter in äußeren Blütenblättern bilden zusätzlichen inneren, oft andersfarbigen Blütenring; runde, flache, sichtbare Scheibe in der Mitte
Seerosendahlien
voll gefüllte Blüten; Blütenblätter flach oder leicht nach innen oder außen gebogen; keine Scheibe in der Mitte
Dekorative Dahlien
voll gefüllte Blüten; Blütenblätter flach, am Ende spitz oder abgerundet, weniger als die Hälfte aufgerollt, können leicht nach innen oder außen gebogen sein; keine Scheibe in der Mitte
Balldahlien
runde, voll gefüllte Blüten; Blütenblätter von der Scheibe her zu mindestens 75 % röhrenförmig nach innen aufgerollt; nach hinten bis zum Stiel geschlossen
Pompondahlien
kleine, runde, voll gefüllte Blüten; vollständig röhrenförmig nach innen aufgerollt; nach hinten bis zum Stiel geschlossen
Kaktusdahlien
voll gefüllte Blüten; um mehr als die Hälfte nach hinten aufgerollt; in der Längsachse gerade oder gebogen; keine Scheibe in der Mitte
Semi-Kaktusdahlien
gleicher Blütenaufbau wie Kaktusdahlien; Blütenblätter um weniger als die Hälfte, aber mehr als ein Viertel nach hinten aufgerollt
Diverse Dahlien
alle Sorten, die in keine der anderen Klassen eingeordnet werden können
Hirschgeweihdahlien
Dahlien aller Klassen, deren Blütenblätter am Ende in zwei oder mehr deutlich abgeteilte, gerade oder gebogene Zacken aufgeteilt sind
Sterndahlien
einzelner Ring weniger Blütenblätter; leicht bis vollständig eingerollt; überlappen sich nicht; sichtbare Scheibe in der Mitte
Gefüllte Orchideendahlien
voll gefüllte Blüten; meist wenige, gebogene und nach innen oder außen aufgefaltete Blütenblätter; keine Scheibe in der Mitte
Päoniendahlien
zwei oder mehr Ringe von flachen Blütenblättern; unregelmäßig angeordnet; runde, flache, sichtbare Scheibe in der Mitte
Stellardahlien
schmale, nach unten gebogene, leicht nach innen gewölbte Blütenblätter; locker gefüllt; rundliche Form
Bedeutung und Symbolik
Allgemein drückt die Dahlie Geburt, Neuheit und Erneuerung aus, steht aber auch für Dankbarkeit und Nächstenliebe sowie Luxus und Stärke. Für die verschiedenen Bedeutungen sind unter anderem verschiedene Farben der Dahlie „verantwortlich“.
Rot & Lila: Stärke, Leidenschaft
Weiß: Reinheit, Erneuerung
Gelb & Orange: Freude, Dankbarkeit
Pink: Güte, Gnade
Bei den Azteken symbolisierte die Dahlie Widerstandsfähigkeit, Leben und kosmische Kraft. Die „Dahlia coccinea“ wurde auch als „Kriegsblume“ bezeichnet und von aztekischen Kriegern als Schmuck genutzt. Sie stand als Zeichen für Tapferkeit im Leben und Erinnerung im Tod. Noch heute ist die Dahlie die Nationalblume Mexikos.
In Japan ist sie Symbol für Freundlichkeit, Verwandlung und den Optimismus eines Neuanfangs.
Schnitt
Ihr könnt Dahlien schneiden, wenn die Blüten offen sind. Geschlossene Blüten gehen in der Vase nicht weiter auf.
Über den Button unten gelangt ihr zu unserer Feldübersicht und den Infos dazu, wo unsere Dahlien blühen:
Quellen
blumenshop.de: Dahlie: Bedeutung, Herkunft & Tipps für lange Frische. https://www.blumenshop.de/blog/dahlien-bedeutung-herkunft-sorten, abgefragt am 03.10.2025.
Heckmann, Pia: Dahlien: Welche Bedeutung hinter der Blume steht. https://praxistipps.focus.de/dahlien-welche-bedeutung-hinter-der-blume-steht_131964, abgefragt am 03.10.2025.
Kiepenkerl: Kulturgeschichte der Dahlie. https://www.kiepenkerl.de/fruehjahrsbepflanzung/kulturgeschichte-der-dahlie/, abgefragt am 03.10.2025.
Meyer, Berend: Klasseneinteilung. https://www.ddfgg.de/dahlien/dahlien_sorten_klassen.php, abgefragt am 03.10.2025.
NABU: Feurige Mexikanerinnen voller Blütenpracht. https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pflanzen/pflanzenportraets/zierpflanzen/04500.html, abgefragt am 03.10.2025.
Peters-Reimann, Antje: Moctezuma, Goethe und der »Wasserschlund«. https://www.gaissmayer.de/web/welt/gartenmagazin/moctezuma-goethe-und-der-wasserschlund/, abgefragt am 03.10.2025.
The Cornish Garden: Dahlia Myths, Folklore, and Forgotten Meanings. https://www.thecornishgarden.com/dahlia-myths-folklore-and-forgotten-meanings/, abgefragt am 03.10.2025.








